Turbulente Zeiten für Waldbesitzer
Borkenkäferaufkommen steigt rasant an – Was ist zu tun?

Buchdrucker - jung und alt

Bohrmehlhäufchen vom Buchdrucker mit Jung- (links) und Altkäfer (rechts)

Erste Jungkäfergeneration fliegt derzeit aus: Die warme Witterung der letzten Tage führte zu einem explosionsartigen Anstieg der Borkenkäfer in den Monitoringfallen. Die kritische Zahl von 3000 Käfern je Falle und Woche wurde deutlich überstiegen. Damit einhergehend ist auch der Befallsdruck auf unsere Wälder stark angestiegen. Aufgrund des hohen Käferholzanfalls ist der Holzpreis weiter gefallen.

Was muss der Waldbesitzer tun?
Für die Waldbesitzer bedeutet dies, dass sie ihre Fichtenbestände wöchentlich kontrollieren, befallene Bäume zügig fällen und aus dem Wald abtransportieren müssen. Besonderes Augenmerk bei der Kontrolle ist auf das Umfeld alter Käfernester zu richten, aber auch aufgerissene Waldränder müssen besonders unter die Lupe genommen werden. Mit steigenden Temperaturen verlagert sich der Käferbefall häufig vom Bestandsrand ins Innere des Waldes.
Wie lässt sich Borkenkäferbefall erkennen?
Das wichtigste Erkennungsmerkmal von Käferbäumen ist das hellbraune Bohrmehl, das beim Einbohren der Käfer am Baumstamm herabrieselt und sich in Rindenschuppen und am Stammfuß ansammelt. Auch Verfärbungen der Baumkronen von grün nach gelb weisen auf Käferbefall hin.
Holzpreis halbiert
Im ersten Halbjahr 2019 mussten in Stadt und Landkreis Landshut im Privatwald rund 100000 Festmeter Holz aufgrund Sturm, Schneebruch und des derzeit immensen Drucks durch Buchdrucker und Kupferstecher gefällt werden. Aufgrund des hohen Holzaufkommens entwickelte sich der Holzpreis in den letzten Monaten stetig nach unten. Auch durch zusätzliche Mengen aus dem EU-Ausland wie Tschechien und Österreich sind die heimischen Sägewerke bereits ausgelastet bis überfüllt.
Aus dieser Gesamtheit können die Holzpreise von den Sägewerken bestimmt werden, die meist nur noch monatliche Verträge abschließen, da weiterhin fallende Preise erwartet werden. Gegenwärtig ist das Preisniveau nur halb so hoch wie im vergangenen Jahr. Davon wird beim Käferholz noch ein Abschlag von bis zu 35 Euro pro Festmeter abgezogen. Um einer zusätzlichen Belastung des Holzmarktes entgegenzuwirken empfehlen die Waldbesitzervereinigungen, derzeit kein Frischholz einzuschlagen. Waldbesitzer können Ihre Waldbesitzervereinigung oder Forstbetriebsgemeinschaft unterstützen, indem Sie Ihr Holz an LKW-befahrbaren Wegen lagern und bei einem bereits übernommenen Polter kein neues Holz mehr auflegen, da die Frächter nur übernommenes Holz abfahren dürfen.
Sägewerke voll ausgelastet
Zudem sollten Waldbesitzer Geduld bei der Abfuhr haben: Durch die großen Holzmengen kann es zu Anfuhrsperren bei den Sägewerken kommen und sich dadurch die Holzabfuhr verzögern. Zudem muss das Käferholz entweder zwingend gespritzt, entrindet oder mindestens 500 m vom nächsten Fichtenbestand entfernt gelagert werden.
Zuschuss für Mehraufwand bei der Käferholzaufarbeitung
Der Einsatz von chemischen Stoffen ist in der Forstwirtschaft grundsätzlich sehr gering. Um diesen Anteil weiter zu senken, hat der Freistaat Bayern einige Fördermöglichkeiten zur insektizidfreien aber waldschutzwirksamen Borkenkäferbekämpfung geschaffen. Förderung gibt es unter anderem für das Entrinden oder Verbringen des Schadholzes aus dem Wald sowie das Häckseln, Mulchen oder Verbrennen des Waldrestholzes wie Kronen und Äste.
Fichtenholzpolter auf LagerplatzZoombild vorhanden

Fichtenholzpolter

Die am häufigsten anzuwendende Maßnahme ist hierzulande das Verbringen des Holzes aus dem Wald. Wichtig dabei ist, dass es sich um frisches Käferholz oder Schadholz handelt und der Lagerplatz einen Abstand von mindestens 500 m zum nächsten Fichtenwald hat. Zudem darf das Holz nicht gespritzt sein und auch nicht am Lagerplatz weiterverarbeitet werden. Für den erhöhten Aufwand ist eine staatliche Förderung von 5 Euro je Festmeter möglich. Zusätzlich werden ab sofort für die Vorbereitung der insektizidfreien Bekämpfungsmaßnahme weitere 5 Euro pro Festmeter aufgeschlagen.
Auch eine waldschutzwirksame Entrindung von Holz kann gefördert werden. Zudem wird ein Zuschlag von 20 Prozent für das Häckseln, Mulchen oder Verbrennen von Kronenmaterial und Ästen des Schadholzes gewährt, wenn das Material nicht vermarktet wird. Eine Eigenverwertung als Brennholz oder Hackschnitzel ist aber möglich.

Die Bagatellgrenze für einen Förderantrag liegt bei 250 Euro je Antrag, was einer Holzmenge von etwa 25 Festmetern entspricht.
Information zur Polterbehandlung
Wenn keine Möglichkeit besteht, befallenes, bereits geschlagenes Holz zügig aus dem Wald zu bringen oder zu entrinden, dann müssen die Polter mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Zur Behandlung der Polter stehen verschiedene zulässige Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Diese sind im Landhandel erhältlich, sofern der Käufer die Bescheinigung „Sachkundenachweis Pflanzenschutz“ vorlegen kann. Diejenigen, die mit dem Spritzen beauftragt werden, brauchen ebenfalls diesen Nachweis.
Bitte beachten Sie:
Behandelte Holzpolter müssen ausreichend gekennzeichnet werden, damit Unkundige nicht zu Schaden kommen. Kennzeichnungsvorschlag: Leuchtschriftvermerk „insektizidbehandelt“ oder andere eindeutige Warnhinweise. Bei der Polterbehandlung sind die einschlägigen Anwendungsbestimmungen der Mittel und weitere Bestimmungen des Pflanzenschutzgesetzes einzuhalten.

Weitere Informationen

Allgemeine Informationen zum Borkenkäfer erhalten Sie unter

Borkenkäferinfoportal - Bayerisches Staatsministerium Externer Link

Hier erhalten Sie Unterstützung

Beratung zum richtigen Umgang mit Käferflächen und zur Polterbehandlung erhalten Waldbauern beim zuständigen staatlichen Forstrevier.

Ansprechpartner an den Forstrevieren

Unterstützung bei der Aufarbeitung und Vermarktung des Käferholzes finden Sie bei ihrer Waldbesitzervereinigung oder bei den forstlichen Unternehmern im Landkreis.

Ansprechpartner

Wolfgang Forstenaicher
AELF Landshut
Schwimmschulstraße 23, 84034 Landshut
Telefon: 0871 603-2006
Fax: 0871 603-2099
E-Mail: forst@aelf-la.bayern.de