Biodiversität und Landwirtschaft
Was können Landwirte für Bienen tun?

Landwirte profitieren, wenn sie Bienen schützen. Das zeigte Imkermeister und Landwirt Hans Georg Oswald beim Praxisabend "Bienenfreundliche Landwirtschaft" des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Landshut im Juni 2019 auf dem Demobetrieb Huber in Ebenhausen auf. Oswald präsentierte zehn Maßnahmen, mit denen Landwirte im eigenen Betrieb eine große Wirkung für die Bienen erzielen können.
Immer weniger Landwirte haben selbst Bienen. Für die Bestäubung und sichere landwirtschaftliche Erträge spielt gerade die Honigbiene jedoch eine Schlüsselrolle. Außerhalb von Siedlungsgebieten nimmt die gleichmäßige Verteilung der Bienenvölker stark ab. Auch die Anzahl der gehaltenen Völker pro Imker geht stark zurück.
Einerseits gehen die Bienenpopulationen scheinbar zurück, weil es an angestammten Lebensräume wie zum Beispiel Wildwiesen fehlt. Andererseits machen sie Chemikalien anfällig für Krankheiten und schädigen ihr Immunsystem.
Häufigere Hungerphasen für Wild- und Honigbienen im Monat Juli
Das Nutztier Biene ist mehreren Problemen ausgesetzt. In Ackerbaugebieten fehlt es zum Beispiel an Quantität und Qualität der Bienenweidepflanzen speziell im Juli. Dies führt bei Bienen zu Stress und einem jähen Abfall der Populationskurve. Daneben fehlen den einheimischen Bienen oft geeignete ungestörte Nistplätze, Standorte und Wasserstellen.
Hauptflugzeiten und Flugtemperaturen
Ab zirka 10° C beginnen die Honigbienen auszufliegen und diese sind den ganzen Tag über aktiv, wenn eine attraktive Tracht-Quelle vorhanden ist. Ab 15° C sammeln die Honigbienen Pollen, ab 18° C auch Nektar. Die Erfahrung lehrt, dass die höchste Flugaktivität bei Honigbienen ab Temperaturen über 18° C zwischen 10 und 17 Uhr stattfindet. Hummeln sind die Nordländer unter den Bienen und fliegen schon ab sehr niedrigen Temperaturen von 2° bis 5° Celsius. Einsiedlerbienen sind wärmebedürftiger als Honigbienen und fliegen deshalb meist nur bei Sonnenschein.
Wodurch zeichnet sich ein bienenfreundlicher Landwirt aus?
Ein bienenfreundlicher landwirtschaftlicher Betriebsleiter berücksichtigt die Bienen in allen Bereichen der Betriebsführung. Er eignet sich Wissen über den Lebensrhythmus und die Sammelstrategien der Bestäuber an und wendet es praktisch an. Wie man vor Ort beobachten kann sind 2019 viele neue Blühstreifen entlang von Äckern entstanden.

10-Punkte-Plan für Bienen

Hans Georg Oswald hat für die Veranstaltung einen 10-Punkte-Plan erstellt. Er beinhaltet bienenfreundliche Maßnahmen, die Landwirte in ihre Bewirtschaftung integrieren können.
1. Wasser
Eine unkontaminierte Wasserstelle für die Bienen in Form eines Auwald-Biotops oder eines Teiches schützen oder schaffen. Bienen brauchen sauberes Wasser.
2. Sträucher und Bäume
Für die Bestäuber sollte an verschiedenen Ecken, Hecken, Rändern und Gehölzen bienenfreundliche Sträucher und Bäume angepflanzt oder gesät werden. Pro Bienenvolk rechnet man mit zwanzig Sträuchern oder Bäumen einer Art. Reihen- oder Gruppenanpflanzungen sind zu bevorzugen, da die Honigbiene blütenstet ist, sich also im Trachtflug immer auf eine Pflanzen-Art beschränkt, und dadurch wesentlich effektiver bestäuben kann. Bei Alleen oder Baumgruppen gleicher Art kann die Biene von Baum zu Baum bzw. von Strauch zu Strauch fliegen.
3. Pollenangebot
Besonders in den Monaten März bis Juli sollte auf Bienen geachtet werden. Pollen werden vor allem in den Monaten März und April zur Aufzucht der Brut benötigt. In den Monaten Juni bis August benötigen die Bienen vor allem Nektar.
Normalerweise fahren die Bienen im September nach den kalten Nächten die Brut langsam zurück. Sie brauchen dann kein großes Pollenangebot mehr. Zwischenfrüchte wie Phacelia sollten also nicht zu spät gesät werden.
4. Nistplätze schützen
70 Prozent der Wildbienen und Hummeln nisten in der Erde, der Rest häufig an Feldrändern, Feldwegen und Waldrändern. Diese Habitate der Bienen sollten auf keinen Fall gemulcht werden. Denn Mulchen zerstört die lokalen Bienenpopulationen.
5. Chemikalien, Düngemittel, Bodenbearbeitung
Bienenfreundliche Landwirte minimieren den Einsatz von Chemikalien und Düngemitteln. Sie minimieren auch unnötige Bodenbearbeitung, da 70 Prozent der einheimischen Bienen im Boden nisten. Bienenfreundliche Landwirte werden das Mähen von blühenden Pflanzenbeständen gestaffelt durchführen, damit die Nahrungsquelle länger für die Bienen nutzbar ist. Sie respektieren und gewähren den Bienenbeflug und die Blüte des Löwenzahns und des Weißklees, die beiden wertvollsten Bienen-Trachtpflanzen des Grünlandes.
6. Ökologischer Landbau
Ein Weg, mehr für Bienen zu tun, ist die konsequente Umstellung auf ökologischen Landbau, eine besonders bienenschonende und vorbildliche Produktionsmethode mit einer umweltschonenderen pflanzliche Produktion und artgerechterer Tierhaltung.
7. Bienenhalter animieren
Interessierte Bienenhalter einladen, einen Bienenstand an geschützten Waldrändern einzurichten.
Wildblume mit Hummel
8. Bestäuberinsekten
Halten sich Bestäuberinsekten in dem Bestand auf? Dies sollte ein Landwirt prüfen, um Bienen zu schützen. Es empfiehlt sich, vom Schlepper abzusteigen, bevor man mit Landtechnik in einen blühenden Pflanzenbestand fährt. Sind Schmetterlinge unterwegs, kann man davon ausgehen, dass auch Bienen sich auf den Blüten aufhalten. Generell gilt: Je stärker der Bienenflug an einem Tag ist, desto früher sollte man auf dem Feld sein. Dies gilt besonders für den ersten sonnigen Tag nach einer längeren Kältephase.
9. Richtiger Zeitpunkt
Man kann beispielsweise beim Mähen nicht darauf vertrauen, dass die Bienen rechtzeitig die Blüten verlassen, bevor Sie von der Landtechnik erfasst werden. Die Bienen sind voll auf die Blüten konzentriert und haben oft keine Chance. Es ist dann klüger, die Maßnahme auf die frühen Morgenstunden oder alternativ in die kühleren Abendstunden zu verlegen, außerhalb der Bienenflugzeiten.
10. Pflanzenschutzmittel
Die Einstufung von Pflanzenschutzmitteln als B4–bienenungefährlich ist zu hinterfragen. Auch bei B4-Mitteln können Flugbienen-Verluste auftreten, weshalb auch für diese Mittel empfohlen wird, sie außerhalb der Zeiten des täglichen Bienenflugs einzusetzen. Brutschäden und Verkürzung der Lebensdauer der Bienen werden im Zulassungsverfahren bei Mitteln mit B4-Einstufung nicht berücksichtigt.
Weitere Informationen
Hans Georg Oswald betreibt einen Blog für Bienenhalter.

bio-honig.com/blog/ Externer Link

Kontakt

Ansprechpartner

Pablo Asensio
AELF Landshut
Klötzlmüllerstraße 3, 84034 Landshut
Telefon: 0871 603-1203
E-Mail: poststelle@aelf-la.bayern.de